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Glockenspiel

Ab 1413 wird in den Stadtrechnungen die Lieferung oder Reparatur von einer “enghiene met appeelen”, von “eenen man slaende en betekenende de ueren van den daghe” erwähnt.
Die Glocken wurden aus Brügge und Amsterdam mit einem Kahn nach Nieuwpoort gebracht. Inzwischen war die Reihe von Glocken in dem Hallenturm dermaßen erweitert, dass die ganze Anlage ca. 1680 zu dem Stadtturm, der übrigens nie fertig gestellt wurde, umgezogen wurde, wo das Glockenspiel in einem geräumigeren Kampanile, besser zur Geltung kam.
Im Jahre 1735 wurde dieses Glockenspiel, das eigentlich ein Gemisch von allerlei Klangfarben war und deshalb nicht besonders wohlklingend gewesen sein kann, durch ein neues durch Pieter Vanden Gheyn aus Löwen gegossen, ersetzt. Einige Jahre später lieferte Georgius Dumery aus Brügge noch einige Glocken. Dieses Glockenspiel wurde vollauf in das öffentliche Leben von Nieuwpoort integriert:
“Zondag 24 juny 1860 ’s morgens om zes ure zal de kermis door het luiden van de klok, beyaerd spelen, losbranden van het kanon, vercieren der straten en gebouwen, en bevlaggen der schepen in de haven, aangekondigd worden.” ("Am Sonntag 24 Juni 1860 morgens um sechs wird der Jahrmarkt durch Läuten einer Glocke, Spielen des Glockenspiels, Abschießen des Kanons, Schmücken der Straßen und Gebäude, und Beflaggen der Schiffe im Hafen, angekündigt werden.")
Der Weltkrieg 1914-1918 hat hier abrupt ein Ende gemacht: der Glockenspielturm wurde durch die belgischen Pioniertruppen am 17-10-1914 mit Dynamit gesprengt; lediglich ein paar Bronzestücke, einige beschädigte Glocken und die Handschützer von L. Deschieter, dem letzten Glockenspieler der "Vorkriegsreihe", blieben erhalten. 1952 ist das Jahr, in dem Nieuwpoort, nach einer Unterbrechung von mehr als 35 Jahren, die Glockenspieltradition wieder aufgenommen hat; der Unterschied ist jedoch sehr groß: sowohl der Turm, hinsichtlich der Architektur, als auch das diachromatische Vieroktavenglockenspiel, hinsichtlich der Glockenreihe und der Stimmung, weichen wesentlich von dem Vorigen ab.
Der jetzige Turm wurde als Bauwerk fertig gestellt und passt zum Stil der Kirche. Die Reihe aus 67 Glocken (Basis Es, 1407 kg) wurde durch Marcel Michiels Jr., Glockengießer aus Doornik gegossen und wurde nach der Pythagoreischen Stimmung gestimmt. Diese delikate Arbeit wurde, dank des Könnens des Glockengießers und der Beaufsichtigung von Victor Van Ghysegem, einem Sachverständigen mit internationalem Ruf, bis zu einem guten Ende gebracht. Dieses Mal wurde das Glockenspiel als Musikinstrument im Glockenzimmer aufgestellt und nicht länger als dekoratives Element in dem Kampanile, sowie es früher üblich war, auch in Nieuwpoort. Im Jahre 1992 wurde die komplette Anlage (mit Ausnahme der Glocken) durch die Firma Clock-O-Matic aus Holsbeek (B) unter Anwendung der neusten Techniken, erneuert.
Regelmäßig werden Glockenspielkonzerte organisiert.
 

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