11. - 12. Jahrhundert
Wegen der Bodensenkung hatte die IJzer ihre Mündung südwestwärts verlegt und grenzte so an die obenerwähnte Düneninsel, wo später Nieuwpoort entstehen soll. Im Zusammenhang mit dieser geschützten Düne wird im 9. Jahrhundert zum ersten Male über "Zandhoofd" gesprochen.
Kaum war das Elend mit dem Meer etwas vergessen oder ... "Herr erlöse uns von der Wut der Wikinger!". Laut einer Überlieferung waren sie schon das erste Mal 861 in Isera Portus gelandet. Fakt ist, dass sie von 881 bis 885 systematisch die ganze IJzergegend gründlich geplündert und abgeschlachtet haben. Überreste ihrer Opfer werden noch unter den Ruinen der Dünenabtei gefunden und, nach dem dortigen Konservator, handelt es sich hier um die direkten Vorfahren unserer Leute aus dem Westhoek.
Ist es dann auch verwunderlich, dass die Leute aus dem Westhoek, die Fischer und die anderen, die sich viele Generationen gegen das Meer und gegen Hans und Franz wehren mussten, eine sture und zähe Menschenrasse geworden sind?
Im elften Jahrhundert kam das Wasser zurück: diese dritte Dünkirchener Transgression war weniger schlimm als die vorige, aber trotzdem überflutete die ganze Gegend bis Diksmuide wieder. Logischerweise suchte die Bevölkerung Zuflucht auf den höher liegenden Teilen und wir dürfen leicht annehmen, dass Zandhoofd, das niemals überflutete, mehr und mehr Leute anzog.
Jetzt geht das Anschwemmen und Eindeichen viel schneller als früher, zum größten Teil unter Anregung der Abteien (Dünenabtei 1107).
Neue Dörfer werden gegründet: Oostduinkerke (1080), Ramskapelle (1120)...
Die lange Düneninsel wird durch Anschwemmung größer und größer. Groden, ideal für die Schafzucht, sind in der Nähe zu finden und der Name Zandhoofd nistet sich endgültig in die Geschichte ein.
1085 Abt Ingelbrecht von der St.-Winnoksabtei in Bergues tauscht mit Robrecht de Fries eine Villa (!) gelegen auf dem Sandashovad.
1108 Graf Robrecht schenkt der Abtei von Broekburg ein Stück Groden mit dem Namen Sandashovad.
1120 Eine Bulle von Papst Calixtus II erwähnt Sandeshove.
1183 Die Einwohner von Sandeshove (obwohl damals schon offiziell auf den Namen Nieuwpoort umgetauft) richten einen Brief an Papst Lucius III.
Noch einige Jahre (u.a. im Jahre 1274 und im Jahre 1365) werden die beiden Namen: Sandeshove und Nieuwpoort durcheinander und füreinander benutzt. Aber das wohlklingende und viel ältere Sandeshove war Novus Portus oder Nieuwpoort unterlegen.
Nicht nur Nieuwpoort und Sandeshove werden noch lange mit einander gleichgesetzt. Im Jahre 1150 wird auch noch Isera Portus erwähnt, im Jahre 1163 ist die Rede von Neoportus und Novum Oppidum. Dennoch wird Novus Portus (Nieuwpoort) mehr und mehr benutzt und gewinnt schließlich die Oberhand.
Warum dieses Umtaufen? Im Jahre 1150 hatte Isera Portus sich schon bis zu einer Siedlung ausgedehnt, die der Stadt Lombarsijde von der Wichtigkeit her über den Kopf gewachsen war. Zu allem Unglück für die Leute von Lombardsijde versandete der nördliche Arm der IJzer immer mehr, so dass nach einem geeigneten Ort für einen Hafen Ausschau gehalten werden musste. Graf Philipp von den Elsass tat, was auf der Hand lag: er schuf eine völlig neue Stadt, die das ältere Zandhoofd einsteckte, systematisch parzelliert mit geraden Straßen, Wällen herum und Befestigungen. Um seine Unterstützung wirklich zu machen, gab er dem neuen Hafen und der neuen Stadt eine Kür mit Rechten und Freiheiten und schließlich einen neuen Namen, der für immer festgelegt wurde:
1163: NOVUS PORTUS.
Ab da ist die Geschichte unserer Stadt verzeichnet, sauber und ordentlich, aber nicht weniger turbulent als vorher.